Der betriebliche Gesundheitsförderungsprozess

Der betriebliche Gesundheitsförderungsprozess umfasst sechs Phasen:

Der erste Schritt sollte die Gründung eines Gesundheitszirkels mit allen relevanten Akteuren sein. Teilnehmende könnten Mitglieder der Geschäftsführung, Mitglieder des Betriebsrats, Mitglieder der Personalabteilung, Betriebsärzt*innen, Mitarbeitende aus dem Verpflegungsbereich, Vertreter*innen aus den einzelnen Abteilungen und Vertreter*innen der Krankenkasse sein. Die Mitglieder des Gesundheitszirkels, sollten möglichst die Vielfalt der Mitarbeiter und Arbeitsbereiche des Unternehmens abdeckt und Mitarbeiter aus verschiedenen Hierarchien beteiligt sein. So lassen sich sehr schnell die Beanspruchung und Besonderheiten in den einzelnen Bereichen des Unternehmens herauskristallisieren.
Einer der ersten Schritte ist die Information und Beratung durch die Krankenkassen. Nach diesen Informationen kann der Gesundheitszirkel die Sinnhaftigkeit von der Einführung einer BGF einschätzen, kann den Status quo erheben, ein einheitliches Grundverständnis für die BGF entwickeln und mögliche Ziele definieren.

In dieser Phase gilt es zu prüfen inwieweit bestehende Strukturen genutzt werden können und welche Strukturen neu aufgebaut werden müssen.

Das Ziel in Phase 3 ist die gesundheitliche Situation im Betrieb genau zu kennen. Aufschluss zu dieser Situation geben unter anderen Kennzahlen zur gesundheitlichen Belastung und der Ressourcen der Mitarbeitenden.
Dazu zählen – in Abstimmung mit dem Betriebsrat in anonymisierter Form – folgende Daten:

  • die Arbeitsbelastungen und die Gründe für die Fehlzeiten der Mitarbeiter in den einzelnen Abteilungen,
  • die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung,
  • anonymisierte Fallauswertungen des betrieblichen Eingliederungsmanagements und Erkenntnisse der arbeitsmedizinischen Vorsorge und der betriebsärztlichen Tätigkeiten,
  • evtl. Screenings oder Check- ups zur Erhebnung des individuellen Gesundheitszustandes der Mitarbeitenden durch den*die Betriebärzt*in,
  • Ergebnisse aus anonymen, standardisierte Mitarbeiterbefragungen zum Beispiel zu gesundheitlichen Beschwerden und zur Arbeitszufriedenheit.

Ergebnisse aus der Arbeitsplatzbegehung, der Mitarbeiterbefragungen, Ergebnisse aus der Altersstruktur und der daraus abgeleiteten Erkenntnisse runden den Prozess ab.


Analysieren Sie in diesem Schritt ihr bestehendes Verpflegungsangebot hinsichtlich der angebotenen Speisen und Getränke. Eine gute Hilfestellung hierfür ist die Leitet Herunterladen der Datei einCheckliste.
In dieser Phase lohnt es sich auch ein*e Mitarbeiter*innen Befragung zum Ernährungsverhalten, Vorlieben, Abneigungen, Wünsche und Zufriedenheit mit dem Verpflegungsangebot durchzuführen.
Auch die bestehende Verpflegungsinfrastruktur im Hinblick auf Teeküchen, Pausenräume, Konferenzräume, Automaten, Essenszeiten, räumliche und zeitliche Erreichbarkeit von Verpflegungsangeboten kann hier einen guten Einblick geben. Diese Informationen können sehr gut für die Verpflegungsangebote von Mitarbeitenden im Öffnet internen Link im aktuellen FensterSchichtdienst genutzt werden.

Mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse werden die einzelnen Maßnahmen abgeleitet und eine zielgruppenspezifische Ausrichtung der betrieblichen Gesundheitsförderung festgelegt. In diesem Schritt sollten auch bereits die Kennzahlen für die Evaluation festgelegt werden. Bei der Festlegung der Maßnahmen und Zielen sollten die personellen und finanziellen Ressourcen Berücksichtigung finden und die Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Der Maßnahmenplan sollte Angebote aus der Verhaltens- und die Verhältnisprävention kombinieren. In Studien wurde gezeigt, dass die Kombination Maßnahmen im BGF besonders erfolgreich macht. Die Maßnahmen werden nach Dringlichkeit sortiert, terminiert und mit den finanziellen und personellen Ressourcen abgebildet.

Maßnahmen in der Verhältnisprävention:
•    Angebot eines Öffnet internen Link im aktuellen Fenstergesundheitsfördernden und nachhaltigen Verpflegungsangebots.
•    Gestaltung des Verpflegungsbereiches und der Ausgabetheken gemäß dem Öffnet internen Link im aktuellen FensterNudging-Prinzip.

Maßnahmen in der Verhaltensprävention:
•    Aktionswochen- und Gesundheitstage
•    Vorträge, Seminare und Workshops
•    Online Kurse
•    Ernährungsberatung

Die Maßnahmen sollten in der Regel parallel stattfinden. Findet zum Beispiel eine Aktionswoche zur Herzgesundheit statt, sollte auch in der Betriebsgastronomie eine entsprechende Menülinie angeboten werden. Dies ermöglicht den Mitarbeitenden ihr neu erlerntes Wissen direkt in der Betriebsgastronomie anzuwenden und eine Änderung von Verhaltensweisen leichter zu machen.

Phase 5: Umsetzung

Die einzelnen Maßnahmen sollten schrittweise umgesetzt werden. Für den Anfang empfiehlt es sich kleinen erfolgsversprechenden Maßnahmen zu formulieren die sich kurzfristig umsetzen lassen. Für den Erfolg der Maßnahme ist es empfehlenswert, dass die Beteiligten eng verzahnt sind.


Machen Sie einen Wettbewerb: „Wie viel Obstkörbe bestellen die Abteilungen“ oder „wie oft wird das gesundheitsfördernde und nachhaltige Menü gewählt“. Ihrer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Lassen Sie verschiedene Teams gegeneinander antreten und versorgen Sie die Teams mit begleitenden Informationsmaterialien.

In der Evaluation der durchgeführten Maßnahmen wird die Ausgangssituation mit der neuen IST Situation verglichen, die Ergebnisse bewertet und dokumentiert. Es ist empfehlenswert zur Evaluation einen Kombination aus prozess- und befragungsproduzierten Kennzahlen als Evaluationskriterium zu nutzen.

 

 

Weitere Informationen

Nehmen Sie Kontakt mit der Krankenkasse auf, bei der die meisten Ihrer Mitarbeiter*innen beschäftig sind oder wenden Sie sich an die BGF Koordinierungsstelle. Sprechen Sie mit dem Verantwortlichen für die betriebliche Gesundheitsförderung. Die Krankenkasse finanzieren im Rahmen des Präventionsgesetzes verschiedene Leistungen und können Ihnen verschiedenen Expert*innen und Ansprechpartner*innen nennen.
Die betriebliche Gesundheitsförderung setzen zurzeit meistens nur große Unternehmen um, aber auch in Kleinstbetrieben lassen sich durch Betriebspatenschaften verschiedenen Maßnahmen implementieren.