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Freitag, 30.11. 2018
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Schulernährungsprojekt KEEKS erhält UN-Klimapreis

„Der DGE-Qualitätsstandard für die Schule hat uns geholfen,“ sagt der Projektinitiator und hält fest: „Die Ergebnisse sind auf andere Lebenswelten übertragbar.“

Dr. Michael Scharp © IZT/Carolin Tietz

Ein Name – ein Programm: Was wie eine Leckerei klingt, ist zugleich eine Inspiration – in diesem Fall für die Schulverpflegung: Das Projekt KEEKS hat auf Grundlage des DGE-Qualitätsstandards klimafreundliche Maßnahmen für Schulen erarbeitet. Das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin, kurz IZT, übersetzt gemeinsam mit seinen Projektpartnern Faktor 10, ProVeg, Netzwerk e.V. IFEU und Wuppertal Institut wissenschaftliche Erkenntnisse dazu in den Schulalltag.
Der promovierte Chemiker Michael Scharp hat das Projekt initiiert. In dem gemeinnützigen Forschungsinstitut IZT ermittelt er in seinem Bereich "Nachhaltigkeit und Transformation" seit gut 20 Jahren Forschungsbedarf zum Klima- und Ressourcenschutz. Erkenntnisse dazu bringt Scharp in die Bildungsarbeit ein. Das jüngste Projekt „KEEKS“ ist der UNO aufgefallen: Es gewann den Klimaaktionspreis „Momentum for Change“, der am 11. Dezember auf der 24ten UN Klimakonferenz in Katowice verliehen wird. Ein Anlass, ihn als Initiator des Projektes zu befragen:


Herr Dr. Scharp, mit KEEKS rückt der Klimaschutz in der Ernährung stärker in den Blick. Warum spielte das bisher kaum eine Rolle?
Ernährung und Klimaschutz gemeinsam zu betrachten, war bisher einfach unterbelichtet. Zu Unrecht. Es zeigt sich mehr und mehr, dass die Klimawirkung der Ernährung ähnlich hoch ist wie in anderen Bereichen: nämlich global betrachtet bei der Mobilität und national gesehen nahezu bei der Raumheizung. Deshalb untersuchten wir in 22 Kölner Schulküchen, wie man unter den gegebenen Rahmenbedingungen Klimaschutz betreiben kann. Dabei handeln wir im Verbund mit vier Forschungseinrichtungen, einer Nichtregierungsorganisation und einem Bildungsträger.


Welchen Einfluss hatten die DGE-Qualitätsstandards bei Ihren Überlegungen?
Wir haben Einsparpotentiale in vier Bereichen untersucht: Menüs, Technik, Verhalten und Abfall. Der „DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung“ war insbesondere für den Bereich „Menüs“ relevant. Er bietet zum einen Spielraum für die Küchen, sich individuell lokalen Bedingungen anzupassen.
Zum anderen ist der DGE-Qualitätsstandard gesellschaftlich als niedrigschwelliger Rahmen für gesunde Ernährung akzeptiert. Er hat uns im Projekt KEEKS geholfen, den Küchen die Ausgangsbasis für klimafreundliche Schulverpflegung aufzuzeigen: höchstens zweimal pro Woche Fleisch anzubieten. Je häufiger pflanzliche Menüs zubereitet werden, desto höher ist der Beitrag zum Klimaschutz. Ein erster Schritt in diese Richtung ist auch schon, öfter mal Rindfleisch durch Schwein oder Geflügel auszutauschen.


Wie setzt das KEEKS-Projekt die Erkenntnisse in die Praxis um?
In über 100 Schulungen tragen wir unsere Ergebnisse weiter an das Küchenpersonal in den Schulküchen, an Auszubildende in Berufsschulen und an das Personal in Schulen und Verwaltung.
Aus allen gesammelten Erkenntnissen erstellen wir schließlich Info- und Bildungsmaterial mit einfach umzusetzenden „KEEKS- Maßnahmen“. Damit statten wir alle engagierten Ernährungsakteure mit dem Rüstzeug aus, über das Projektende hinaus selbst für den Klimaschutz aktiv zu werden.
Beispielsweise veröffentlichen wir in Kürze Rezeptvorschläge für eine "klima-gesunde" Schulverpflegung, die unter anderem nach den Empfehlungen der DGE zusammengestellt werden. Damit wollen wir Schulküchen und Caterer zusätzlich motivieren, die anerkannten Qualitätsstandards der DGE umzusetzen und zugleich klimafreundlich zu kochen.


Lassen sich praktische Tipps für die Gemeinschaftsverpflegung daraus auch für andere Lebensbereiche ableiten: also für Kantinen im Bereich Kita, Job, Senioreneinrichtungen, Krankenhäuser?
Unser Maßnahmenkatalog ist zumeist komplett auf andere Bereiche der Gemeinschaftsverpflegung übertragbar. Wir empfehlen zum Beispiel beim Kochen, überdimensionierte Heißluftöfen gegen kleinere auszutauschen und alle Leuchtmittel durch LED zu ersetzen. Beim Spülen sollte man die Energieeffizienz im Auge behalten, Betriebsabläufe optimieren. Ein durchdachtes Bestell- und Warenmanagement hilft, das Abfallaufkommen zu reduzieren.
Wir arbeiten jetzt an Menüplänen aufbauend auf dem DGE-Qualitätsstandard und werden weitere Lösungsansätze veröffentlichen. Wir wollen den Schulküchen Möglichkeiten aufzeigen - zugeschnitten auf ihre individuelle Situation - klimaeffizient zu handeln.
Zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine umweltfreundliche und zugleich gesundheitsfördernde Schulverpflegung zählt: dass es den Kindern schmeckt! Das scheint auf den ersten Blick offensichtlich. Doch vielen ist noch zu wenig bewusst, wie wichtig die Bedingungen vor Ort, die Art der Ausbildung und das Wissen engagierter Menschen für eine qualitativ verbesserte Schulverpflegung sind. Wenn wir diese Aspekte gemeinsam angehen, sind auch große Sprünge beim Klimaschutz kein Problem.